... (überhastete) Neuauflage eines tollen Buches
• • • •   (bewertet mit 4 von 5 Punkten)

Ein gutes Buch?
Ich habe 2002 die Erstauflage gelesen, als "Depression Economics" eher unsexy waren. Sicher gaben die regionalen Krisen in Fernost und Südamerika immer wieder Stoff für Bücher her, aber die meiste Literatur aus dieser Zeit waren Nachdichtung der Ereignisse und weniger ökonomische Analysen. Mit Krugman fand das Thema einen angesehenen Autor aus dem volkswirtschaftlichen Lager. Fünf Jahre zuvor hatte ich bereits seine Ausführungen zur Zinsfalle in Japan verschlungen und war gespannt.

Und die Erwartung wurde nicht enttäuscht. Das Buch bot zwar keine akademische Analyse, sondern einen Kommentar zur Entstehung der jüngeren Krisen und deren Lösungsansätze auf knapp 200 Seiten, darunter vor allem in Japan, Argentinien, Mexico, Thailand und den USA. Aber es war straff und präzise geschrieben. Zur Erklärung griff Krugman dabei immer wieder auf das Beispiel der "Capitol Hill Baby-sitting Co-op" zurück, eines Babysitting-Markes irgendwo in den Staaten mit Angebot und Nachfrage (und sogar "Terminhandel"). Das Buch half mir dabei, die Krise(n) besser zu verstehen.

Zielgruppe?
Es war und ist also ein Buch für den Laien, das durchweg gut verständlich ist, und allenfalls in den hinteren Kapiteln etwas Wissen über Finanzderivate erfordert. Einige Rezensenten auf dieser Seite haben sich etwas anderes vorgestellt, eher ein Lehrbuch. Das aber ist es, Gott sei Dank, nicht. Denn davon gibt es genug.

2. Auflage nötig?
Musste die 2. Auflage sein? Ja, es musste, denn mittlerweile sind Depression Economics wieder sexy. Aber es kam zu schnell. Krugman wollte die Welle nicht verpassen. Das merkt man an den hastig eingeschobenen Absätzen, die auf die Gegenwart verweisen. Viel aber ist nicht hinzu gekommen und das Abschlusskapitel liefert eine magere Bilanz über den Lerneffekt aus der neuen Wirtschaftskrise. Ein paar Monate mehr hätte sich der Professor gönnen sollen, um die 2. Auflage besser vorzubereiten.

Populistisch?
Ist er das, der Professor Krugman? Sein Schreibstil ist zuweilen salopp, sogar in seinen volkswirtschaftlichen Lehrbüchern. Das macht sie durchaus lesenswert. Lesenswerter als manches deutsches Werk, das bleiern formuliert ist und vor Formeln unterzugehen droht. Populistisch ist sicher sein Abwatschen diverser Politiker und Zentralbanker, allen voran Alan Greenspan. Der deutsche Fernsehökonom Prof. Hans-Werner Sinn von der Uni München argumentiert politisch ähnlich polarisierend (wenn auch thematisch anders), aber Krugman schreibt dabei deutlich gewitzter.

Kurzum: Wer die Erstauflage nicht gelesen hat und sich für Volkswirtschaft im Allgemeinen und die Krise im Speziellen interessiert, zugreifen.









Eine Rezension von Andreas Schuster "andischuster3" > Hannover
vom 2. März 2010
Kundenrezensionen:
15. Einfach verständlich
14. ... (überhastete) Neuauflage eines tollen Buches (die aktuell angezeigte Rezension)
13. Krugman beweihräuchert sich und die USA!
12. Informativ aber der Titel ist leider ein wenig irreführend
11. Krugmann und die Weltwirtschaftskrise
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