Die Perfektionierer: Warum der Optimierungswahn uns schadet - und wer wirklich davon profitiert


 
Auf der Suche nach dem Glück ins Hamsterrad geraten
• • • • •   (bewertet mit 5 von 5 Punkten)

Alle meine Rezensionen ansehen
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)    (REAL NAME)    Rezension bezieht sich auf: Die Perfektionierer: Warum der Optimierungswahn uns schadet - und wer wirklich davon profitiert (Broschiert) An sich ist es ja nichts Schlechtes, wenn man seine Arbeit perfekt machen will. Fragt sich nur, ob es sinnvoll ist, alles menschliche Tun als Arbeit zu betrachten. Vor allem, wenn man daran zweifelt, dass menschliches Verhalten primär vom Unbewussten gesteuert wird. Im ebenso unterhaltsamen wie angriffig geschriebenen Buch von Klaus Werle geht es um eine selbst verschuldete Unmündigkeit, an die Immanuel Kant wohl nicht im Traum gedacht hat. Endlich von den Zwängen befreit, gegen die eine ganze Generation revoltierte, sind die 68er und ihre Kinder in ein Hamsterrad geraten, das sich immer schneller dreht. Und dass sie dieser Stress-Situation mit Ratgebern gegen Stress zu entkommen versuchen, ist eine der vielen Paradoxien, die Werle glänzend beschreibt.

Je stärker und inniger wir daran glauben, dass jeder der Schmied seines Glücks sei, desto unglücklicher werden wir. Denn da sich das Leben nicht an die Theorie hält und die Gauss'sche Normalverteilung von Erfolg ziemlich konstant bleibt, nimmt die Zahl der Schuldigen zu. Konnte man früher noch der Klassengesellschaft, dem Schicksal oder dem Unwissen den Schwarzen Peter für den eigenen Misserfolg in die Schuhe schieben, sitzt man in der libertären Gesellschaft plötzlich selber auf der Anklagebank. Zu wenig an sich gearbeitet, die falschen Bücher gelesen, die schlechteren Ausbildungsstätten besucht, die ungeeignetsten Vorbilder und Freunde ausgewählt. Immer einen Tick besser, schöner, klüger und vermögender als die anderen zu sein, ist ziemlich anstrengend. Und warum es überhaupt dazu kommen konnte, ist eine der Fragen, auf die Klaus Werle nach einleuchtenden Antworten sucht. Dass er sie kaum bei unserem Glauben an den freien Willen sucht, finde ich zwar bedauerlich, aber entschuldbar. Denn unserem Ich auch noch diese Illusion zu rauben, scheint vorderhand ein Ding der Unmöglichkeit. Auch weil ein ganzes Wirtschaftssystem und unser materielle Wohlstand darauf beruht.

Als Redakteur beim "manager magazin" weiß Klaus Werle sehr wohl, wie die Stimme des einsamen Rufers im Vuvuzela-Getöse der Marktschreier untergeht. Dennoch bietet er dem mächtigen Verbund von Psychologen, Ökonomen, Pädagogen und Unternehmern Paroli, so gut es eben auf 250 Seiten möglich ist. Und wer nur schreibt, was niemand hören will, wird auch von niemandem gelesen. Also versucht es Klaus Werle auch mit viel Witz, Inhalten zwischen den Zeilen, überraschenden Erkenntnissen, persönlichen Geschichten und unzähligen Beispielen aus dem ganz normalen Alltag. Lustig ist sein Buch, weil die Realität die Phantasie nach wie vor übertrifft. Eher deprimierend ist es, weil sich die Fluchtwege aus der Optimierungsfalle kaum freihalten lassen, wenn sich auf der anderen Seite allzu viele erschöpfte Menschen anlehnen.

Mein Fazit: Sind alle Menschen damit beschäftigt ihre tatsächlichen und vermeintlichen Schwächen auszubügeln, lassen sich in einer solchen Betriebsamkeit kaum Stärken ausspielen. Wer immer nach der besten Wahl Ausschau hält, muss dauern abwählen. Aber vor allem muss er mit der Ungewissheit leben, ob hinter der nächsten Ecke nicht noch etwas Besseres auf ihn gewartet hätte. Und dieses Gefühl ist nicht nur bei der Partnerwahl schmerzlich. Und die Moral von der Geschicht'? Weniger planen und das Gegebene mehr annehmen. Klingt einfach, ist es aber nicht. Aber wer dank Werle die Kollateralschäden der gezielten Glückssuche kennt, schafft es vielleicht eher.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 15. Juni 2010
Kundenrezensionen:
3. Auf der Suche nach dem Glück ins Hamsterrad geraten (die aktuell angezeigte Rezension)
2. Wichtiges Thema - plattes Buch
1. Ein unangenehmer Blick in den Spiegel
Zur Übersicht ...
 
Angebote zu
 ab 1 Euro!

Siehe auch folgende Artikel:
Die Illusion der perfekten Kontrolle
Gut ist besser als perfekt: Die Kunst, sich das...
Die Kunst der Selbstausbeutung: Wie wir vor lau...
Lieber schlampig glücklich als ordentlich gestre...
Schöner Denken: Wie man politisch unkorrekt ist
Die 101 wichtigsten Fragen: Konjunktur un...
Mehr zu  Politik & Geschichte
Home ...,    
,    Begleitseite ...
Herausgeber dieser Seite ist DomainLoc.com GmbH - Partner von
The domain name fremdkapital.com is for sale or rent! For more information look at DomainDorado.com ...

Copyright © DomainLoc.com GmbH (Impressum)