Kasino-Kapitalismus: Wie es zur Finanzkrise kam, und was jetzt zu tun ist


 
Lesenswerte Analyse
• • • • •   (bewertet mit 5 von 5 Punkten)

Die auf dieser z.T. geäußerte scharfe Kritik am Buch kann ich nicht ganz teilen. Dessen Stärke liegt nämlich vor allem in der Analyse der Krise, weniger in der Erteilung von Rezepten für die Zukunft, obwohl die Werbung auf dem Buchrücken anderes suggeriert. Mir scheint es - gerade nach Lektüre dieses Werkes - auch weitgehend illusorisch, eine ähnliche Krise in Zukunft sicher verhindern zu wollen

Im Rahmen des analytischen Teils überzeugt das Buch durch eine klare Sprache, eine packende, aber nicht reißerische Darstellung und die Systemkenntnis des Verf. Für einen regelmäßigen Leser der FAZ wird dabei zwar nicht ständig Neues verkündet, viele bekannte Einzelinformationen fügen sich aber in einen größeren Zusammenhang und werden so noch verständlicher. Gleich zu Anfang zeigt der Verf. etwa, wie zwischen den Volkswirtschaften der USA und Deutschlands eine Phasenverschiebung stattfindet: D.h.: Amerikanische Entwicklungen werden hierzulande regelmäßig zeitversetzt nachvollzogen; dies erklärt aus historischer Sicht einerseits den Zorn der u.s.-amerikanischen und britischen Regierung, die die Bundesrepublik zu noch früherer Intervention bewegen wollten, andererseits aber auch das Zögern der Bundesregierung Ende 2008, die von einer Krise nur theoretisch wusste, diese aber noch nicht "fühlte". Viele ähnliche Zusammenhänge - z.B. die Überbewertung der Rolle Chinas, die Verbriefungskaskade, das Versagen der SEC im Fall Madoff werden ähnlich perspektivisch dargestellt.

Erst in letzten von 11 Kapiteln geht der Verf. vorsichtig und - wie ich finde seriös - auf mögliche Konsequenzen aus der Krise ein. Dabei argumentiert er keineswegs im Mainstream der Politik (Stichwort "bad bank-bad idea"), sondern zeigt dem Leser, warum der Geithnerplan für die Bundesrepublik nicht passend ist.

So kann ich das Werk all denen empfehlen, die sich über die Ursachen der Krise informieren wollen; dass das elfte Kapitel vergleichsweise vage bleiben muss, ist eher ein Signum für die Krise der Volkswirtschaftslehre, die durch die jüngsten Ereignisse ausgelöst wurde. Dem Verf. kann man dies kaum anlasten.
Eine Rezension von Caliban > Süddeutschland
vom 3. Juni 2009
Kundenrezensionen:
6. Der blanke Wahnsinn wird verdeutlicht
5. Kopfschütteln verursacht
4. Keine Anklage, sondern Erläuterung
3. Lesenswerte Analyse (die aktuell angezeigte Rezension)
2. Schlussfolgerungen unzureichend bzw. kontraproduktiv
1. Glaube verzerrt Sinne
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