wegweisende analyse für die nächsten jahre und jahrzehnte
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Wer Hans Werner Sinn in Talkshows erleben durfte, wird ihn nicht unbedingt sympathisch finden. Da kommt er eher oberlehrerhaft und humorfrei rüber, manchmal auch etwas unverständlich zurückhaltend. In diesem Buch zeigt er, dass er einiges zu sagen hat. Es ist auch heute noch die vernünftigste Analyse der deutschen Situation, die in den letzten Jahrzehnten in Deutschland geschrieben wurde und sie wird uns wohl noch Jahre oder teilweise Jahrzehnte begleiten, auch wenn momentan die Stichworte Wirtschafts- und Liquiditätskrise und Konjunkturpaket alles überlagern und die Agenda 2010 schon einiges verändert hat.
Natürlich kann man Sinn in einigen Details kritisieren, z. B.:
* Die europäischen Vergleiche, die er anstellt, fallen häufig zu Ungunsten Deutschlands aus, weil er partiell auf bestimmte Faktoren abhebt. Diese Vorgehensweise ermöglicht es natürlich, für jedes europäische Land einen Aspekt zu finden, in dem es Deutschland etwas voraus hat. So tauchen bei ihm abwechselnd Briten, Spanier, Franzosen, Dänen oder Iren als Vorbilder auf. Wer sich aber ein wenig mit den Verhältnissen in diesen Ländern beschäftigt, wird sehr schnell genauso gut Faktoren finden, die diese alles andere als vorbildhaft erscheinen lassen.
* Die Ausführungen zum Tarifsystem sind etwas unvollständig. Sinn lastet allen Unsinn des Tarifsystems einseitig den Gewerkschaften an, unterschlägt aber sowohl, dass auch die Konfliktscheu der Arbeitgeberverbände für manchem unguten Abschluss mit verantwortlich war. Ferner wird die Existenz von Öffnungsklauseln soweit ich sehen kann schlicht unterschlagen. Ferner bleibt unberücksichtigt, dass bedeutende Teile des arbeitsvertraglichen Lebens gar keiner Tarifbindung mehr unterliegen und in anderen vorhandene Tarife schlicht ignoriert werden.
* Als Nationalökonom klassischer Schule kann man das wohl nicht anders erwarten, aber Sinn übernimmt etwas zu kritiklos die Smith'schen und Ricardo'schen Thesen. Wie sich im letzten Jahrhundert gezeigt hat, ist es durchaus nicht immer sinnvoll, zu jedem Zeitpunkt eine Wirtschaft für den Freihandel zu öffnen. Manchmal kann Protektionismus (für eine Übergangszeit) auch die volkswirtschaftlich bessere Lösung sein.

Es gibt noch weitere Kritikpunkte aber das alles steht zurück hinter der Brillanz der ökonomischen Analyse, die Sinn hier abgeliefert hat. Für jeden zentralen Teilbereich der Ökonomie, den er angeht - wie Steuern, Rentenversicherung, Sozialsystem - bleibt seine Analyse zunächst mal State of the art. Darüber können auch keine Hickels oder gar Lafontaines hinwegtäuschen.
Insbesondere an der brillanten Analyse der Rentenversicherung und der EU-Situation wird in den nächsten Jahren niemand vorbeikommen. Dieses Buch ist dringend jedem als Ausgangspunkt anzuraten, der in den genannten Feldern mitreden will oder muss. Ich zweifle, dass die harschen Kritiker sich ernsthaft mit dem Inhalt auseinander gesetzt haben.
Die faktenreiche und tiefgründige Analyse sollte man zunächst mal würdigen, auch wenn man Sinns Schlussfolgerungen nicht in allen Fällen teilen mag und sich über die zu ziehenden Schlüsse durchaus streiten kann.
Eine Rezension von helmut seeger "liberaler" > karlsruhe
vom 10. Januar 2009
Kundenrezensionen:
54. Gefährlich!
53. wegweisende analyse für die nächsten jahre und jahrzehnte (die aktuell angezeigte Rezension)
52. Sinnkrise
51. Prof. Unrat
50. Brilliant und wegweisend
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